Wann greife ich in Teamgesprächen ein?
Das Meeting läuft, Kollegen besprechen sich und Du sitzt dabei und folgst der Unterhaltung. Irgendwann mitten im Gespräch bist Du Dir nicht sicher, ob Ihr noch richtig unterwegs seid. Vielleicht kannst Du nicht mehr folgen, hast den Eindruck andere machen etwas nebenher oder der Geprächsfluss kommt ins stocken.
Es gibt Situationen in denen es hilfreich ist, Verantwortung für das Gelingen des Meetings zu übernehmen - auch dann, wenn man nur an der Seitenlinie sitzt und nicht der Initiator war.
Ob, wann und wie man eingreift ist situationsbedingt und hängt auch von der Tagesform ab.
Diese Orientierungsfragen finde ich bei der Entscheidung hilfreich:
Wie ist die Detailebene?
Haben sich zwei Experten gerade in die tiefsten Tiefen ihrer Thematik begeben? Sie sprechen über ganz konkrete Details der geplanten Lösung und haben den Rest des Meetings abgehängt? Manchmal passiert einem das sehr schnell ohne dass man es selbst merkt. Gute Lösungen zeichnen sich oft durch Perfektion im Detail aus. Wenn das Ziel des Meetings aber eine allgemeinere Klärung war, kann das hinderlich werden. Dann ist es vielleicht Zeit, die gründelnden Kollegen auf eine abstraktere Ebene einzuladen.
Das umgekehrte Extrem könnte ein Kollege sein, der visionär über Möglichkeiten, Optionen und Eventualitäten spricht, aber dabei kritische Details außen vor lässt.
Wenn man in einem Team verschiedene Sichten und Abstraktionsebenen vertreten hat, kann man viel gewinnen. Gerade verschiedene Perspektiven auf Themen sind für mich eine der entscheidenden Stärken und Vorzüge für Teamarbeit. Diese unterschiedlichen Ebenen und Perspektiven gilt es aber immer wieder zusammenzuführen.
Um aus dem Detail aufzutauchen könntest Du z.B. folgendes einwerfen:
„Entschuldigt bitte. Ich glaube ich bin gerade abgehängt. Wie spielt das, was ihr gerade besprecht, in das übergeordnete Thema X (Thema des Meetings) rein?”
Oder für mehr Detail:
„Wie würdest Du Dir das konkreter vorstellen? Kannst Du ein Beispiel geben oder es mal aufmalen?“
Verstehen wir hier gerade um was es geht?
Häufig - und ich würde wetten häufiger als man so denkt - sind Teile des Gesprächskreises abgehängt, weil nicht klar ist, was sich hinter einem Begriff verbirgt und keiner sich traut nachzufragen.
Ein Moderator, Coach oder ähnliche Rollen haben es hier leicht: sie dürfen sich meist auch mal “dumm stellen” und nachfragen ohne sich für ihre vermeintliche Unkenntnis “schämen zu müssen”.
Für Beteiligte kann die Hürde zu fragen höher sein - der Nutzen dahinter ist es aber meist auch. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal schräg angeschaut wurde, weil ich einen Begriff nicht kannte - erlebe aber sehr häufig, dass mir Kollegen nach einem Meeting für meine Nachfrage danken, weil sie es selbst nicht wussten:
„Bitte hilf mir auf die Sprünge: was verbirgt sich nochmal hinter der XPC-Delivery-Platform?“
Wie konkret und operativ sollten wir werden?
Unangenehme Themen, mühsame Vorhaben und schwierige Entscheidungen laden manchmal dazu ein unkonkret zu bleiben und „um den heissen Brei herumzureden“.
Das ist alles verständlich und nachvollziehbar und gleichzeitig braucht es manchmal jemanden, der dann beherzt den Ball aufnimmt und das Gespräch verbindlicher werden lässt.
Ein Impuls könnte in etwas lauten:
„Deine Idee klingt interessant. Wie stellst Du Dir so etwas konkret vor? Was würde sich dadurch ganz greifbar ändern? Wer müsste was dafür tun?“
Bonusrunde: Schwingt hier mehr mit als das Sachthema?
Vielleicht spricht die Kollegin gehalten und kühl, vielleicht ist sie wortkarg, oder der Kollege wird in der Stimme lauter: Es gibt viele Anzeichen dafür, dass hinter einem Sachthema etwas unausgesprochenes auf der Beziehungsebene liegt. Jemand fühlt sich übergangen, nicht gehört oder respektiert - möglicherweise schwelt sogar ein längerer Konflikt.
Solche Unstimmigkeiten (Sachebene neutral, vielleicht sogar lächelnd vs Beziehungsebene “geladen”) anzusprechen fällt einem nicht immer leicht. Es kann sogar als eine Art Tabu gesehen werden.
Meiner Erfahrung nach verbergen sich hinter dem Unausgesprochenen häufig riesige Chancen. Hier liegt das Gold für bessere Zusammenarbeit, Projekterfolge und - wenn das ok ist ;-) - mehr Freude zur Arbeit zu gehen.
Entscheide selbst, ob Du das Wagnis eingehen möchtest. Hier ein paar Impulse:
Man kann es direkt ansprechen und dabei nur von sich ausgehen:
„Ich habe gerade den Eindruck das Thema frustriert Dich. Ist das so?“
„Du machst mir dabei keinen zufriedenen Eindruck - was ist los?“
Oder auf ein dahinter liegendes Bedürfnis:
„Das klingt für mich so, als ob Du es Dir anders wünschen würdest … ist das so? (Wenn ja:) was würdest Du Dir wünschen? / Wie soll es stattdessen sein?“
Diese und weitere Interventionen findest Du auf dem Moderationskärtchen dazu unter diesem Link.
Viel Spaß beim ausprobieren!